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2026 studio onomato

Den Blick schärfen

Dem Modul ging eine Vorübung voraus, die den Studierenden ermöglichen sollte, ihren Blick für Details und räumliche Zusammenhänge in ihrer gebauten Umwelt zu schärfen. Anhand Referenzen untersuchten sie, wie Architektur mit wenigen Mitteln Raum erzeugt. Im Mittelpunkt standen Struktur, Material, Licht, Maßstab und Fügung als grundlegende Entwurfsparameter.

 → Das genaue Hinsehen wurde dabei bewusst als Teil des Entwerfens verstanden – räumliche Qualitäten zu lesen, zu benennen und einzuordnen, ist eine wesentliche Grundlage architektonischer Arbeit.

ANALYSE - STRUKTUR - MATERIAL - LICHT - MASSSTAB - FÜGUNG

Die Recherche schuf eine gemeinsame Grundlage für den weiteren Entwurfsprozess. Sie sensibilisierte für das Zusammenspiel von Materialität und Konstruktion sowie für die atmosphärischen Qualitäten, die daraus entstehen.

021

Temporäre Intervention Kirchenruine mit atelier joel jerome joebgen

Kategorie

Lehre

Typologie

Architektur

Kontext

Hochschule

Ort

Eckelsheim

Jahr

2026

Projekt

Tugurium

Modul

Raumgestaltung

Zeitraum

Sommersemester 2026

Semester

7. Fachsemester

Zusammenarbeit

atelier joel jerome joebgen

Fotografie

Tobias Marterer

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Kontext lesen

Mit diesem geschärften Blick begann die Auseinandersetzung mit der Beller Kirche. Die spätgotische Ruine ist kein neutraler Entwurfsraum, sondern ein Ort mit eigener Geschichte, Materialität und räumlicher Präsenz. Mauern, Öffnungen und Spuren fassen einen fragmentarischen Baukörper, dessen Atmosphäre bereits vor jeder Intervention wirksam ist.

 → Jede Setzung, jede Linie und jede Entscheidung musste sich deshalb an dem messen lassen, was bereits vorhanden war. Im ersten Schritt ging es nicht darum, welche Addition notwendig wäre, um den Ort zu aktivieren. Entscheidend war vielmehr, die bestehenden räumlichen Qualitäten präzise zu erkennen, zu benennen und als Ausgangspunkt des Entwurfs zu verstehen.

BELLER KIRCHE - BESTAND - FRAGMENT - ATMOSPHÄRE

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Ideen verdichten

Aus der Auseinandersetzung mit dem Ort entwickelten die Studierenden zunächst eigene Entwürfe. Sie reagierten unterschiedlich auf Übergänge, Blickbeziehungen, Nutzung, Schutz, Material, Konstruktion und Atmosphäre. Modelle im Maßstab 1:20 dienten dazu, die räumlichen Setzungen unmittelbar im Kontext der Beller Kirche zu überprüfen und ihre Wirkung innerhalb der bestehenden Struktur vergleichbar zu machen.

 → Im gemeinsamen Prozess wurden die einzelnen Entwürfe nicht gegeneinander bewertet, sondern auf ihre tragenden Gedanken, räumlichen Qualitäten und konstruktiven Prinzipien hin untersucht. In der gemeinsamen Diskussion wurde herausgearbeitet, welche Ansätze für den Ort besonders tragfähig waren, welche räumlichen Beziehungen sich wiederholten und welche Ideen einander sinnvoll ergänzen konnten. Ziel war es nicht, einen einzelnen Entwurf auszuwählen, sondern aus den unterschiedlichen Positionen die wesentlichen Entwurfsprinzipien herauszufiltern.

Diese Grundgedanken wurden miteinander in Beziehung gesetzt, weiterentwickelt und schrittweise zu einer gemeinsamen architektonischen Position verdichtet.

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Im Machen begreifen

Mit dem gemeinsamen Entwurf begann eine zweite Phase des Projekts. Die Studierenden organisierten sich in interessenbasierten Gruppen und übernahmen Verantwortung für Werk- und Ausführungsplanung, Material, Fertigung, Logistik und Aufbau. Aus der zuvor gemeinsam entwickelten architektonischen Idee wurden konkrete Bauteile, Verbindungen, Maße und Abläufe. Im Maßstab 1:1 veränderte sich die Bedeutung der Zeichnung grundlegend.

 → Was im Plan als präzise Linie erscheint, wird beim Bauen zu Materialstärke, Gewicht, Fügung, Toleranz und tatsächlicher Dimension. Entscheidungen, die zuvor abstrakt getroffen wurden, mussten sich nun konstruktiv und räumlich bewähren.

AUS LINIEN WERDEN DIMENSION, FÜGUNG UND TOLERANZ.

Gerade dieser Wechsel vom Zeichnen zum Herstellen war ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses. Proportionen wurden körperlich erfahrbar, Materialeigenschaften unmittelbar spürbar und konstruktive Zusammenhänge nachvollziehbar. Gleichzeitig wurde sichtbar, welche Konsequenzen selbst kleine planerische Entscheidungen im gebauten Maßstab haben. Nicht jede Frage ließ sich im Vorfeld abschließend beantworten. Manche Lösungen entstanden erst beim Fertigen, Fügen und Ausrichten der Bauteile. Der Aufbau wurde damit nicht zur bloßen Umsetzung eines fertigen Entwurfs, sondern zu einer weiteren Phase des Entwerfens. Erst im gebauten Maßstab zeigte sich endgültig, wie sich die Intervention zur bestehenden Ruine verhält – in ihrer Größe, ihrer Nähe zu den historischen Mauern, ihrer Offenheit und ihrer materiellen Präsenz.

BESTAND - INTERVENTION - SCHWERE - LEICHTIGKEIT

Mit Tugurium entstand so keine autonome Architektur, die sich vom Ort lösen lässt. Ihre Wirkung entwickelt sich aus dem Verhältnis zur Beller Kirche: zwischen neuer und bestehender Struktur, zwischen Schutz und Offenheit sowie zwischen der Schwere des historischen Mauerwerks und der Leichtigkeit der neuen Konstruktion.

 → Nicht vervollständigen, sondern das Vorhandene neu erfahrbar machen. Die Intervention versucht nicht, die Ruine zu rekonstruieren oder gestalterisch zu überformen. Mit wenigen präzisen Elementen formuliert sie vielmehr einen neuen Raum innerhalb des Vorhandenen. Erst im Zusammenspiel von Bestand und Intervention entsteht eine neue räumliche Situation, die die vorhandenen Qualitäten der Beller Kirche aufnimmt und zugleich eine gegenwärtige Nutzung ermöglicht.

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