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Vom Wunschbild zur Verdichtung

Ausgangspunkt der Thesis ist ein Widerspruch: Das freistehende Haus steht bis heute für Privatheit, individuelle Freiräume, vielseitige Orientierung und räumliche Freiheit. Gleichzeitig machen Flächenverbrauch, steigende Bodenpreise und der wachsende Wohnraumbedarf diese Typologie insbesondere im städtischen Kontext zunehmend problematisch. Verdichtung wird damit notwendig – darf jedoch nicht ausschließlich als quantitative Optimierung verstanden werden.

 → Die zentrale Frage war deshalb nicht, wie möglichst viele Wohnungen auf möglichst wenig Fläche entstehen können, sondern welche Qualitäten des individuellen Wohnens sich in eine verdichtete Typologie übertragen lassen.

Die Arbeit versteht das Terrassenhaus als möglichen Vermittler zwischen diesen Gegensätzen. Nicht die Reproduktion einer historischen Typologie steht im Mittelpunkt, sondern ihre Reformierung: Aus den Qualitäten unterschiedlicher Wohnformen soll eine neue Grundlage für den mehrgeschossigen Wohnungsbau entwickelt werden.

WOHNQUALITÄT - VERDICHTUNG - PRIVATHEIT - FREIRAUM - TYPOLOGIE - TRANSFER

Typologien lesen und vergleichen

Bevor das Terrassenhaus selbst untersucht wird, nähert sich die Arbeit dem Wohnen über andere Typologien. Freistehende Häuser und Reihenhäuser werden anhand ausgewählter Referenzen auf ihre räumlichen Qualitäten hin untersucht. Entscheidend ist dabei nicht die äußere Gestalt, sondern die Frage, welche architektonischen Prinzipien Wohnqualität erzeugen und welche davon übertragbar sind.

Aus der Analyse entwickelt sich ein gemeinsames Bewertungsinstrument. Vier Kriterien strukturieren den Vergleich: Ausrichtung, Freifläche, Effizienz und Suffizienz. Damit werden Belichtung und Orientierung ebenso betrachtet wie unterschiedliche Grade von Privatheit, räumliche Verknüpfungen, Erweiterbarkeit und die Möglichkeit, Wohnraum an veränderte Lebenssituationen anzupassen.

AUSRICHTUNG - FREIFLÄCHE - EFFIZIENZ - SUFFIZIENZ

Die Typologien werden damit weniger als festgeschriebene Gebäudetypen gelesen, sondern als Träger einzelner räumlicher Prinzipien. Erst durch diesen Vergleich entsteht ein Regelwerk, mit dem anschließend auch das Terrassenhaus kritisch untersucht und weiterentwickelt werden kann.

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Autor

Daniel Ercin

Titel

Potential Terrassenhaus - Reformation einer Typologie zur Herleitung einer Antwort auf den verdichteten Wohnungsbau

Studiengang

Master Architektur | Hochschule Mainz

Zeitraum

Sommersemester 2022

Erstprüfer

Prof. Michael Spies

Zweiprüfer

M. Sc. Robin Kuppler

025

Masterthesis - Potential Terrassenhaus

Kategorie

Architektur

Typologie

Wohnen

Kontext

Hochschule

Ort

Mainz

Jahr

2026

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Das Terrassenhaus neu lesen

Die Recherche zum Terrassenhaus beginnt bewusst nicht bei den großen Wohnanlagen der Nachkriegsmoderne, sondern bei seiner topografischen Herkunft. In Positano folgt die Bebauung unmittelbar dem Hang: Häuser, Terrassen, Treppen und Gassen reagieren auf eine vorhandene Landschaft. Mit der Übertragung dieses Prinzips auf die Ebene entsteht später der künstliche Hang – der Wohnhügel. Das Terrassenhaus verbindet dabei zwei zunächst widersprüchliche Eigenschaften: hohe bauliche Dichte und unmittelbar zugeordnete Freibereiche. Durch Stapelung und Rücksprung entstehen Terrassen und Dachgärten, die Qualitäten des freistehenden Hauses in eine kompaktere Wohnform übertragen können.

 → Entscheidend ist nicht die charakteristische Stufenform selbst, sondern das räumliche Prinzip, das sie hervorbringt.

TERRASSIERUNG - STAPELUNG - FREIRAUM - PRIVATHEIT - WOHNHÜGEL

Die untersuchten Beispiele zeigen zugleich, dass die Typologie dort besonders leistungsfähig wird, wo gemeinschaftliche Angebote, unterschiedliche Grade von Privatheit und räumliche Übergänge Teil des Systems werden.

Vom Regelwerk zum Wohnhügel

In der Fallstudie an der Mombacher Straße werden die zuvor gewonnenen Erkenntnisse auf einen konkreten innerstädtischen Ort übertragen. Ein massiver Sockel nimmt öffentliche und lärmunempfindliche Nutzungen auf; darüber entwickelt sich der Wohnhügel aus gestaffelten, konsequent orientierten Wohneinheiten. Die Kombination verschiedener typologischer Prinzipien wird damit selbst zum Entwurfswerkzeug. Besondere Aufmerksamkeit erhält die innere Mitte. Großzügige Erschließungs- und Begegnungsflächen, Lufträume, Zäsuren und Blickbeziehungen sollen verhindern, dass aus der Gebäudetiefe lediglich anonyme Mittelflure entstehen. Gleichzeitig zeigt sich hier eine zentrale Grenze der Typologie: Tiefe Baukörper, versetzte Installationen und nicht unmittelbar belichtete Bereiche erhöhen konstruktive und wirtschaftliche Komplexität.

 → Rückblickend eröffnet gerade diese Schwierigkeit eine weitere Frage: Könnten die tiefen inneren Bereiche bewusst Nutzungen wie Versorgung, Handel oder Gemeinschaft aufnehmen? Dann würde aus dem Wohnhügel zunehmend eine kleine Stadt im Gebäude – mit dem Potential einer eigenständigen Wohnwelt, aber auch der Gefahr, zur Wohnmaschine zu werden.

DIE STÄRKE DES WOHNHÜGELS LIEGT IN SEINER DICHTE – UND GENAU DORT BEGINNT AUCH SEINE VERWUNDBARKEIT.

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